Whodunit

Whodunit: Allmähliche Aufklärung eines Verbrechens und Suche nach dem Täter

Whodunit (auch whodunnit, [huːˈdʌn.ɪt[1]) beschreibt das häufig in Krimis und Fernsehserien verwendete abduktive Konzept der allmählichen Aufklärung eines Verbrechens und der Suche nach dem oder den Tätern. Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf Literatur, werden aber auch auf Filme und Fernsehserien übertragen.

Begrifflichkeit

Bei dem Begriff whodunit handelt es sich um die phonetisch geschriebene Frage Who done it? (kurz für Who has done it?), zu Deutsch „Wer hat es getan?“. Der Begriff wird im Englischen benutzt, um ein Teil-Genre des Krimis näher zu klassifizieren.

Prinzip

Am Anfang eines Whodunit-Romans steht in der Regel ein schweres Verbrechen, häufig ein Mord (oder genauer: ein Todesfall, wenn man einen Mord vermuten kann, dies aber noch nicht erwiesen ist). Der oder die Ermittler stehen oft vor dem Problem, zunächst die Identität des Opfers klären zu müssen, um dann das Motiv des Täters zu ergründen. Der Leser bzw. die Zuschauer begleiten den Ermittler – es kann sich um Polizisten, Privatdetektive oder auch Mitarbeiter der Spurensicherung handeln – bei der Arbeit und werden so dazu animiert, selbst Vermutungen darüber anzustellen, wer die Tat begangen haben könnte. An die Hand genommen werden sie dabei nicht selten vom naiven Assistenten eines Meisterdetektivs (das klassische Vorbild ist Dr. Watson in den Krimis von Arthur Conan Doyle), der – dem Leser bzw. Zuschauer vergleichbar – wenig begreift und versucht, mit simplen, aber falschen Annahmen Aufklärung zu bringen. Die Auflösung erfolgt in den meisten Fällen erst gegen Ende des Buches bzw. Films, sofern nicht beispielsweise mehrere Fälle miteinander verknüpft sind.

Allgemein müssen folgende Voraussetzungen für einen klassischen Whodunit erfüllt sein:

  • Das Setting ist begrenzt. Der Schauplatz ist oft abgeschnitten von der Außenwelt oder der Justiz.
  • Es gibt nur eine begrenzte Zahl von Verdächtigen, die oft in engem Kontext mit dem Opfer standen. Bei einem locked room mystery ist diese Situation noch zugespitzt, weil zuerst scheinbar niemand ernsthaft verdächtigt werden kann.
  • Am Ende wird der Fall vollständig und in Anwesenheit der Verdächtigen für das „Publikum“ entschlüsselt, der Mörder wird enttarnt.

Entwicklung

Schon die früheste Kriminalliteratur, beispielsweise einige Erzählungen von Edgar Allan Poe, gehören dieser Richtung an. Zu den bekanntesten Beispielen gehören viele der Erzählungen und Romane von Arthur Conan Doyle (Figur: Sherlock Holmes), Agatha Christie (die das Genre maßgeblich mit den Figuren der Miss Marple und des Hercule Poirot geprägt hat) und Dorothy L. Sayers. Ab den 1930er-Jahren wurde diese Richtung immer mehr von den vor allem US-amerikanischen Hardboiled-Romanen (Dashiell Hammett (Figur: Sam Spade), Raymond Chandler (Figur: Philip Marlowe), Mickey Spillane (Figur: Mike Hammer)) verdrängt und überlebte danach vor allem in der Trivialliteratur und in Kinder- und Jugendbüchern wie denen von Wolfgang Ecke, der TKKG-Reihe oder der Reihe Die drei ???.

Mit dem Aufkommen des postmodernen Romans wurde das Genre wiederbelebt, meist in ironisch gebrochenen Formen wie beispielsweise in Umberto Ecos Roman Der Name der Rose oder den unter dem Pseudonym Dan Kavanagh erschienenen Duffy-Krimis von Julian Barnes. Eine neue Blüte erfährt der Whodunit derzeit im Asiatischen Raum durch die Japanische "Neue orthodoxe Schule" (Shin Honkaku Ha). Soji Shimada, Yukito Ayatsuji und Alice Arisugawa gehören dort zu den bekanntesten Vertretern dieser Bewegung. In Europa sind es Autoren wie Paul Halter und Rob Reef, die sich diesem Genre widmen.

Bekannte Fernsehserien

Bekannte Verfilmungen

Die Verfilmungen werden häufig in die Blütezeit dieser literarischen Gattung, also die 1920er- und 1930er-Jahre zurückversetzt, weshalb man diesen Filmen auch ein gewisses Flair nachsagt.

Die erfolgreichsten Hörspiel- und Fernseh-Mehrteiler entstanden nach Vorlagen des britischen Schriftstellers Francis Durbridge. Hierzu zählen in Deutschland vor allem die Paul-Temple-Hörspiele mit René Deltgen und Annemarie Cordes sowie die Durbridge-Filmreihe mit den Klassikern Das Halstuch, Tim Frazer und Melissa, die Einschaltquoten zwischen 80 und 93 % erzielten.

Eine gelungene Parodie auf die genannten Romanfiguren lieferte der Film Eine Leiche zum Dessert mit David Niven und Peter Falk. Krimi-Altmeister Alfred Hitchcock verwendete 1956 den Begriff Whodunit als Titel für eine Episode der Reihe Alfred Hitchcock Presents.

Das umgekehrte Prinzip

Eine Variation des Whodunit-Prinzips ist die umgekehrte oder invertierte Detektivgeschichte, im Englischen auch als inverted detective story oder howcatchem (von “How catch them?”, etwa zu übersetzen mit „Wie fängt man sie (die Bösewichte)?“) bezeichnet. Dem Leser bzw. Zuschauer ist der Täter bereits von Anfang an bekannt; der Reiz liegt darin, zu verfolgen, wie der Ermittler dem Täter auf die Spur kommt. Frühe Beispiele für diese Erzählweise finden sich bei Kurzgeschichten von R. Austin Freeman (1912). Populär wurde sie durch Inspektor Columbo, seitdem wurde und wird sie auch von anderen Serien (beispielsweise Diagnose: Mord, Criminal Intent – Verbrechen im Visier und Monk) und Spielfilmen (Catch Me If You Can, Das perfekte Verbrechen) genutzt. Auch der populäre Manga, Anime und Realfilm Death Note erzählte die Geschichte ausschließlich aus der Sicht des Täters, wobei seine Motive dabei dem Zuschauer ebenso nachvollziehbar geschildert wurden wie die des verfolgenden Detektivs. Die Sympathien können folglich aufgrund der Erzählperspektive zum Täter hin verschoben werden.

Einzelnachweise

  1. Whodunit – Aussprache in amerikanischem und britischen Englisch nach dem Cambridge Dictionary.

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